1990 - 2000

Das Interesse an musikalischer Bildung hält weiterhin an, sodass am Ende des Schuljahres 1998/99 erstmalig ein Gesamtschülerstand von 600 Schülern erreicht wurde. Durch das vielfältige überregionale Bildungsangebot in Weiz als Schulstadt, haben viele Schüler aus entfernter gelegenen Gemeinden neben ihrem Studium die Möglichkeit des Musizierens an der Musikschule Weiz genutzt. Eine Schülerstatistik zeigt, dass im Jahresdurchschnitt Schüler aus ca. 20 - 25 auswärtigen Gemeinden die Musikschule Weiz besuchten.

Einen weiteren Schülerzustrom konnte man aufgrund der ständigen Erneuerung und Erweiterung der Ausbildungsfächer und der Zusatzangebote an der Musikschule verzeichnen. Hatte die Musikschule 1960 mit den so genannten "klassischen Fächern" ihren Lehrauftrag erfüllt, gab es zwanzig Jahre danach starke Wünsche nach Veränderung und Erneuerung. Nach dem Einzug von E-Orgel und E-Gitarre, verstärkte sich die Nachfrage für Schlagzeug und E-Bass. Nun war die Zeit reif, der Jugend eine Ausbildung für Gesang zu ermöglichen, die mit der Ausbildung für Jazzgesang eingeführt wurde. Als Lehrkraft wurde dafür 1997 Mag. Annette Giesriegl bestellt, die in kürzester Zeit mit den Musiklehrern der Jazz- und Rock-Pop-Szene der Musikschule die Konzertreihe "Vocal Jazz Night" zu einer der interessantesten und begehrenswertesten Jugendveranstaltungen in Weiz pushte. Korrelierend mit der Entwicklung der modernen Musikrichtung traten im Rahmen von Klassenabenden immer öfters Ensembles für „Alte Musik“ auf. Durch die Ausweitung des erforderlichen Instrumentariums und der fortwährend intensiven Beschäftigung mit Barockmusik, ausgehend von der Blockflötenklasse Mag. Renate Rosenfelder, kam es zur Einführung der „Werktage der Alten Musik“. In diesem Rahmen wurden immer wieder auswärtige Künstler eingeladen, die mit den Schülern und den Lehrern Intensivkurse durchführten und diese Werktage mit Konzerten der Dozenten und den TeilnehmerInnen beendeten.

Im Zuge der künstlerischen Tätigkeiten der Musiklehrer, bildeten sich einige Ensembles mit unterschiedlichen Stilrichtungen, wovon das Ensemble „Quintetto accento“ (Georg Ludvik, Mag. Renate Rosenfelder, Gerald Kleinburger, Helmut Muchwitsch und Christl Miklin) beim internationalen Piazolla-Wettbewerb in Italien den ersten Preis erringen konnte. Höchst erfreulich hat sich das Kinder- und Jugendorchester unter der Leitung von Georg Ludvik empor gearbeitet. Es gab einige spektakuläre Auftritte, unter anderem mit Konzerten bei STYRIARTE Graz, in Weiz sowie in anderen Orten. Zusammen mit Künstlern der Grazer Oper kam es unter anderem zur Aufführung von Ausschnitten aus der Zauberflöte, Peter und der Wolf und Titeln bekannter Rock-Pop-Songs.
In den vierzig Jahren des Bestehens der Musikschule gab es immer wieder Veränderungen im Lehrkörper. So sind auf Grund ihrer langjährigen Dienstzeit einige verdienstvolle Musiklehrer, die sich sehr um die Musikschule bemüht haben ausgetreten: Johann Buchberger (Querflöte, Fagott und Kontrabass), Mag. Edda König (Klavier und Klavierkammermusik) und der Leiter des Musikschulorchesters Dir.-Stv. Anton Fleck (Violine und Akkordeon).

Neuer Geist und neue Ideen flossen seitens der Musikschule immer wieder in das Kulturgeschehen der Stadt ein. 1990 wurde die Konzertreihe „Serenade im Taborhof“ eingeführt, die Summer-City-Feste wurden großteils von der Musikschule bestritten und es konnten international renommierte Ensembles und Solisten für Weiz engagiert werden. Unter anderem traten Solisten der Wiener Philharmoniker, der Musikhochschule Graz und der Grazer Oper auf. Auf Vorschlag der Schulleitung kam es zur Wiedereinführung eines Konzert-Abos. Die nach Jahren leicht antiquierten „Vorspielstunden“ wurden durch „Schüler musizieren“ und „Podium für junge Künstler“ ersetzt und dem allgemeinen Publikum zugänglich gemacht.

Die ausgezeichnete Unterrichtstätigkeit der Musikpädagogen und das Können der Schüler wiederspiegelten sich bei den landes- und bundesweiten Wettbewerben. Viele Preise und Würdigungen verliehen der Musikschule Ansehen und Wertschätzung. Eine Wertschätzung seitens der Landesregierung erhielt das Steirische Musikschulwerk durch die Angleichung des Dienst- und Schulrechtes an das Privatschulgesetz mit Wirkung vom 1.9.1991 und dem Erlass des „Organisationsstatutes für Musikschulen“ 1998.

Letztendlich schufen das Wirken der Musikschule, die neuen gesetzlichen Veränderungen und die bereits unerträglich gewordene Raumnot die Basis dafür, dass 1995 erstmals von offizieller Seite ein Zu- und Umbau der Schulen in der Kernstockstraße ventiliert wurde. Tatsächlich fand am 10. Februar 1998 die erste Bauverhandlung für die neue Musikschule am heutigen Standort statt.

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